Glossar

Schneelast — Definition, Zonen und Berechnung

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Die Schneelast ist die Einwirkung aus Schnee auf ein Bauwerk — also das Gewicht des Schnees, das auf das Dach oder eine andere horizontale Fläche drückt. Sie ist eine der wesentlichen veränderlichen Lasten im Hochbau und muss bei jeder statischen Berechnung eines Dachtragwerks berücksichtigt werden.

Definition und Einheit

Schneelast wird als Flächenlast in Kilonewton pro Quadratmeter (kN/m²) angegeben. 1 kN/m² entspricht ungefähr dem Gewicht von 100 Liter Wasser pro Quadratmeter — oder ca. 25–40 cm locker aufgefallenem Schnee.

Die Schneelast auf dem Boden (Bodenschneelast s_k) hängt vom Standort ab. Die tatsächliche Last auf dem Dach (Dachschneelast s) ist von der Bodenschneelast und dem Formbeiwert μ abhängig, der die Dachneigung und -form berücksichtigt.

Schneelastzonen in Deutschland

Deutschland ist nach DIN EN 1991-1-3 in Verbindung mit dem deutschen Nationalen Anhang in drei Schneelastzonen (SK 1 bis SK 3) und zwei Sondergebiete eingeteilt. Die Einstufung richtet sich nach dem Standort und der Geländehöhe über NN.

| Zone | Bodenschneelast s_k (Meereshöhe ≤ 200 m) | Typische Regionen | |------|------------------------------------------|-------------------| | SK 1 | 0,65 kN/m² | Teile Nordwestdeutschlands, Rheinland, Rhein-Main | | SK 2 | 0,85 kN/m² | Großteil Deutschlands: NRW (Ost), Niedersachsen, Sachsen, Thüringen | | SK 3 | 1,10 kN/m² | Süddeutschland (außer Alpen), Bayern, Baden-Württemberg (Ost) | | Sondergebiet A | ≥ 1,50 kN/m² | Mittelgebirgslagen 285–600 m ü. NN | | Sondergebiet B | ≥ 2,30 kN/m² | Hochlagen > 600 m ü. NN, Alpenvorland, Alpen |

Wichtig: Mit steigender Geländehöhe wächst die Schneelast. Ab 200 m ü. NN gilt eine Erhöhungsformel. Im Alpenraum (z.B. Berchtesgaden, Garmisch) können Schneelasten von 3–5 kN/m² und mehr auftreten.

Formel: Schneelast auf dem Dach

Die Schneelast auf dem Dach ergibt sich nach EC1 zu:

s = μ_i × C_e × C_t × s_k

| Symbol | Bedeutung | Typischer Wert | |--------|----------|----------------| | μ_i | Formbeiwert (dachneigungsabhängig) | 0,8 (Flachdach), 0,8–0 (Pultdach ab 60°) | | C_e | Geländebeiwert (Windexposition) | 1,0 (normal) | | C_t | Wärmebeiwert (beheiztes Dach) | 1,0 (normal) | | s_k | Charakteristische Bodenschneelast | lt. Schneelastkarte |

Beispiel: Flachdach in Schneelastzone 2, normal exponiert: s = 0,8 × 1,0 × 1,0 × 0,85 kN/m² = 0,68 kN/m²

Relevanz für Carports und Dächer

Carport

Carport-Dächer sind besonders schneelastgefährdet, weil:

  • Sie nicht beheizt sind (kein Wärmebeiwert zur Lastminderung)
  • Sie oft als Flachdach oder flaches Pultdach ausgeführt werden (Formbeiwert 0,8)
  • Das Dach kein Schnee abgleitet (anders als steile Satteldächer)

Ein Carport in Schneelastzone 3 (Süddeutschland) muss mit mindestens 0,88 kN/m² Dachlast aus Schnee berechnet werden — bei flachem Dach. Das entspricht ca. 88 kg pro Quadratmeter. Bei 15 m² Dachfläche ergibt das 1.320 kg Schneelast. Diese Kraft muss sicher in Stützen und Fundamente abgeleitet werden.

Häufiger Fehler bei Fertig-Carports

Viele günstige Bausatz-Carports aus dem Baumarkt sind für Schneelastzone 1 oder 2 ausgelegt. Wer in Schneelastzone 3 oder einem Sondergebiet baut und einen solchen Carport aufstellt, handelt auf eigenes Risiko. Im Schadensfall verweigern Versicherungen oft die Leistung, wenn die Tragfähigkeit nicht für den Standort nachgewiesen war.

Steile Dächer (Satteldach, Walmdach)

Bei Dachneigungen über 30° darf der Formbeiwert μ reduziert werden — bei 60° ist er null (kein Schnee bleibt liegen). Das entlastet die Konstruktion, muss aber korrekt berücksichtigt werden.

Schneeanhäufungen

An Übergängen (z.B. Anbau an ein höheres Gebäude) kann Schnee rutschen und sich anhäufen. EC1 schreibt hier Sonderlastfälle vor, die das Tragwerk lokal höher belasten. Das ist besonders bei Carports relevant, die an ein Hauptgebäude angebaut werden.

Dieser Eintrag wurde von einem qualifizierten Bauingenieur mit Schwerpunkt Tragwerksplanung verfasst. Alle Angaben nach bestem Wissen — für projektspezifische Nachweise wenden Sie sich bitte an einen Tragwerksplaner vor Ort.